Akustikelemente im Homestudio
Was bewirken Diffusor, Absorber & Bassfalle?
Von Marius Schweitzer
Inhalt
Akustikelemente: Diffusor, Absorber, Bassfalle & Co.
Unaufgeräumte Bücherregale, das Mobiliar, Teppiche und dergleichen sind eine nette Dreingabe in Sachen Raumakustik, um in deinen vier Wänden einen guten Sound zu erzielen. Für eine bessere Wirkung in Richtung bessere Klangtreue für deine Musikproduktion (oder das Abhören von Musik) solltest Du hierfür optimierte Akustikelemente im Homestudio nutzen. Diese werden zumeist an Wänden und/oder Decke angebracht, von der Decke gehangen oder in den Raum gestellt. Akustikelemente unterteilen wir grundsätzlich in Diffusoren, Absorber und deren Varianten.
Was bringen Akustikelemente?
Akustikelemente sind im Homestudio längst keine Seltenheit mehr. Ob Du sie benötigst hängt von deinem Raum und natürlich auch von deiner Arbeit ab. Für Recording und Mixing ist ein akustisch optimierter Raum ein Muss – zumindest dann, wenn Du zu den ambitionierten Musikern gehörst. Einsteiger und Hobbyisten kommen für den Anfang meist auch ohne aus, müssen dann allerdings mit den Mankos leben, die daraus entstehen können.
Wenn Du hauptsächlich Beats produzierst und mit Kopfhörern arbeitest, kommst Du auch ohne Absorber, Diffusor und Bassfalle in deinem Studio aus. Sobald Du allerdings mit Studiomonitoren produzierst und abhörst, wird es relevant für dich.
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Bevor wir zur Erklärung von Bassfalle, Absorber und Diffusor kommen, sollten wir noch klären, welche Ziele wir bei einer Optimierung der Raumakustik verfolgen:
Nachhall reduzieren
Regie- und Aufnahmeräume profitieren von einem kurzen Nachhall, da die Wiedergabe oder Aufnahme dann wenig durch die Raumreflexionen beeinträchtigt wird. Als Richtwert findet man in einschlägiger Literatur oftmals einen Wert für die Nachhallzeit um die 0,3 Sekunden oder darunter. Ein Raum ohne jeglichen Nachhall wirkt auf die meisten Menschen sehr unangenehm.
Flatterechos eliminieren
Dabei handelt es sich um die ersten Reflexionen des Schalls zwischen zwei Wänden bzw. Boden und Decke. Dieses flirrende Geräusch hörst Du besonders in kleinen Räumen deutlich, wenn Du in die Hände klatschst. Es überlagert sich mit dem Direktschall aus den Lautsprechern bzw. den Klängen der Instrumente im Aufnahmeraum und sorgt so für Irritationen und eine schlechtere Einschätzungsfähigkeit des Stereobildes.
Den Frequenzgang ausgewogen gestalten
Vor allem in kleinen Räumen gibt es problematische Zonen, in denen die Bässe entweder extrem verstärkt oder abgeschwächt werden. Um einerseits alles herauszuhören, was in einer Aufnahme steckt und andererseits beim Mixing keinen Frequenzbereich zu über- oder unterbetonen, ist es wichtig, dass an der gewünschten Abhörposition ein ausgeglichenes Frequenzspektrum zu hören ist.
Eine akustische Optimierung über Akustikelemente wird immer nur für eine bestimmte Position im Raum vorgenommen. Im Falle des Abhörraums handelt es sich dabei um den »Sweet Spot«, also der Platz, an dem Du sitzt und lauschst. Im Aufnahmeraum oder der Gesangskabine wird beim Raumakustik verbessern natürlich der Bereich optimiert, an dem die Aufnahmen stattfinden. Schon diese eher punktuelle Ausrichtung ist knifflig genug, wie sich in der Umsetzung oftmals zeigt. Einen gesamten Raum mit Schallabsorber, Akustikschaumstoff, Akustikdecken, etc. überall gleich neutral und »trocken« klingen zu lassen, ist praktisch nicht möglich.
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Anlaufstellen für Akustikelemente
Ein Absorber »schluckt« den auftreffenden Schall
Das Optimieren deines Homestudios mit Akustikelementen ist nichts, was Du im Handumdrehen erledigen kannst. Du musst die Gegebenheiten und Abmessungen deines Studios kennen. Falls Du auch mit Aufnahmen beschäftigt bist, musst Du dir über die Position des Mikrofons im Raum im Klaren sein. Und vor allem, musst Du wissen, welche akustischen Mankos in deinem Studio behoben werden müssen und wo.
Durchführen kannst Du all diese Überprüfungen selbst. Mit einem Messmikrofon kannst Du es sogar ganz genau angehen und gezielt die Schwächen ausgleichen. Solltest Du auf diesem Gebiet neu sein, empfehlen wir dir eine entsprechende Beratung. Ausgewählte Hersteller bieten dir zusätzlich zur Beratung auch die Planung und Ausstattung deines Homestudios an.
Genau auf dein Studio zugeschnitten: Room Acoustics Visualizer
Der Room Acoustics Visualizer von GIK Acoustics ermöglicht es dir ein 3D Render deines Homestudios zu erstellen. Im Online-Planer kannst Du nicht nur die genauen Abmessungen, Dachschrägen und Wände vorgeben, sondern auch wo dein Tisch steht, wo Du Vocals aufnimmst und mehr. Es ist also eine realistische Abbildung deiner Gegebenheiten.
Auf Basis des Room Acoustics Visualizers erhältst Du auch Vorschläge zur Optimierung. Für den besonders schnellen Start in das Tool, stehen Vorlagen für kleine und große Homestudios bereit, aber auch Vorlagen für Gesangskabinen – je nachdem was Du benötigst.
Keine Sorge um dein Budget: Inzwischen gibt es auch einzelne Akustikmodule, ganze Sets und mobile Gesangskabinen zu einem erschwinglichen Preis.
Welche Akustikelemente gibt es?
Kommen wir nun zum entscheidenen Teil, wenn Du bereits beschlossen hast, dein Studio zu optimieren. Welche Akustikelemente gibt es überhaupt, was bewirken sie und wo finden sie ihre Anwendung.
Diffusor
Der auftreffende Schall wird hierdurch breitgefächert wieder abgestrahlt. Diese Akustikelemente verhindern Flatterechos und der Nachhall wird gleichmäßiger im Raum verteilt. So können besonders die Mitten und Höhen unverfälscht erklingen, gerade Gitarren und Percussion-Instrumente profitieren davon.
Eindimensionaler Diffusor
Die eindimensionale Variante dieser Akustikelemente besteht aus mehreren vertikal ausgerichteten Elementen, die unterschiedlich tiefe Profile aufweisen. Der Begriff der Eindimensionalität rührt daher, dass die Schallwellen auch nur in einer Ebene gestreut werden – bei der üblichen vertikalen Ausrichtung solcher Paneele wird der Schall lediglich in der Horizontale zerstreut.
Zweidimensionaler Diffusor
Hier wird der Schall sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen gestreut, da die Elemente auf beiden Ebenen zerklüftet sind, wie im Bild zu sehen ist. Alternative Begriffe für die zweidimensionalen Variante lauten Schroeder- oder Skyline-Diffusor.
Absorber
Ein Absorber »schluckt« den auftreffenden Schall – Reflexionen werden eingedämmt. Die Hauptaufgabe von Absorbern besteht darin, die Nachhallzeit des Klangs zu verkürzen. Als Breitbandabsorber werden die Modelle bezeichnet, die ein weites Frequenzspektrum des auftreffenden Schalls absorbieren, während andere speziell für den Bassbereich konzipiert sind. So auch die »Bassfallen«, welche strenggenommen zu den Absorbern zählen.
Poröser Absorber
Hauptaufgabe von Absorbern besteht darin, die Nachhallzeit des Klangs zu verkürzen
Ein poröser Absorber ist wie ein Schweizer Käse: Es finden sich zahlreiche Hohlräume, die auch miteinander verbunden sind. Je kleiner und zahlreicher diese Hohlräume, desto stärker die Absorption.
Bassfalle bzw. Kantenabsorber
Gewöhnliche poröse Absorber wirken sich kaum auf die tieffrequenten Schallanteile aus, dafür ist die Unterform des Kantenabsorbers da. Dieser wird in einer Ecke bzw. an einer Kante des Raumes platziert und absorbiert so auch tiefere Frequenzen. Oft wird dafür der Begriff der Bassfalle verwendet.
Kombinierte Module aus Absorber und Diffusor
Häufig zu finden sind auch kombinierte Akustikelemente: Diese bestehen aus Akustikschaumstoff und werden mit einer Frontplatte ausgestattet, die eine mathematisch errechnete Sequenz aus Schlitzen hat. Diese sorgen für ein- bzw. zweidimensionale Diffusion. Sie werden genutzt um den Frequenzgang deines Homestudios linearer zu gestalten.
Plattenabsorber
Hierbei handelt es sich um einen Kasten, dessen Vorderseite aus einer schwingfähigen Platte besteht. Die auftreffende Schallwelle versetzt die Platte in Schwingung und wird nach hinten weitergeleitet. Durch das Mitschwingen der Platte wird die meiste Energie absorbiert, während sich im hinteren Bereich gegebenenfalls noch ein poröser Absorber befindet, der in geringem Maße weitere Schallwellen schluckt.
Helmholtz-Resonator
Ein Helmholtz-Resonator macht sich das physikalische Prinzip zunutze, das auch bei den Bassreflexöffnungen von Lautsprechern wirksam wird – nur wird hier Schall absorbiert und nicht verstärkt. Das betroffene Spektrum ist relativ schmalbandig, es wird also nur ein kleiner Frequenzbereich absorbiert.
Am häufigsten kommt der Helmholtz-Resonator in Form einer gelochten Wand- oder Deckenverkleidung vor, allerdings gibt es auch Varianten, die als Bassfalle fungieren, also bestimmten tiefen Frequenzen den Garaus machen.
Passend dazu: Tipps vom Profi – Homestudio Akustik verbessern»
Kombination und Anordnung der Akustikelemente
Die am häufigsten anzutreffende Anordnung von Akustikelementen ist diese:
- Absorber und Bassfallen werden um die Lautsprecher herum platziert (»Dead End«)
- während die Diffusoren sich an der Wand in deinem Rücken befinden (»Live End«)
Ungeachtet dessen gibt es leider keine Pauschalantwort auf die Frage, welche Elemente wo und in welcher Kombination montiert werden müssen. Hier kommt es ganz auf deinen Raum an, wobei der Verwendungszweck, die Inneneinrichtung und die Raumgeometrie eine tragende Rolle spielen. Die maßgeschneiderten Lösungen sind mannigfaltig und lassen sich nur im Zuge einer Beratung durch professionelle Akustiker entwickeln.
Zuerst muss jedoch festgestellt werden, ob überhaupt Verbesserungsbedarf besteht und wenn ja, in welcher Form dieser erfolgen soll.
Wenn die Lautsprecher, die im Laden noch mit so viel Bass punkten konnten, an der gewünschten Stelle in deinem Raum zu wenig Wumms entwickeln, musst Du entweder die Abhörposition wechseln und/oder Maßnahmen zur akustischen Optimierung ergreifen.
Do-It-Yourself Raumakustik?
Sollte dir das Budget für eine professionelle Ausstattung deines Homestudios mit Akustikelementen fehlen, kannst Du das auch in Eigenregie machen.
Dafür benötigst Du im ersten Schritt:
- Ein Messmikrofon (z.B. das beyerdynamic MM1)
- Eine Raumaksutik Software (z.B. den kostenlosen Room EQ Wizard)
Die damit erstellte Analyse gibt dir nun Aufschluss darüber, welche Frequenzen Du im Homestudio mit Akustikelementen verbessern kannst.
Beispiel: Optimieren nach Messung
Zur praktischen Veranschaulichung haben wir dir unsere Messwerte herausgesucht. Hier siehst Du unsere Analyse vor jeglicher Optimierung:
In unserer Messung fällt ein ordentlicher Dip im Bereich von 27,5 Hz und 55 Hz auf. Die Lösung hierfür sind Bassfallen – in unserem Fall acht Stück. Das hängt natürlich immer von der Größe und Beschaffenheit deines Homestudios ab.
Nach der Optimierung mit den Bassfallen und den weiteren Schritten sieht unsere Messung nun so aus:
Neben Bassfallen haben noch einige andere Akustikelemente bei uns Einzug gehalten. Wir haben nicht nur die Wände und Ecken bearbeitet, sondern auch die Decke. In welcher Reihenfolge das passieren sollte und wie Du Schritt für Schritt einem besseren Frequenzgang näher kommst, kannst Du separat nachlesen oder dir anschauen…
Zum kompletten Tutorial: Raumakustik verbessern »
Wie eben angesprochen besteht eine DIY-Optimierung aus einer langen Schleife aus Messungen, Optimierungen, Messungen und erneuten Optimierungen. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass ein annähernd toter Raum am besten wäre.
Daher sieht man nicht selten Homerecording-Tonstudios, die fast gänzlich mit Noppenschaum ausgestattet werden. Dass dies nicht richtig sein kann, liegt auf der Hand. Auch der bis heute überlebende Mythos um die Eierkartons ist eben nur das: eine Falschinformation. Eierkartons dienen maximal einer optischen Verbesserung, haben akustisch gesehen (fast) keinen Einfluss.
Tipp: Solltest Du bereits eine Messung durchgeführt haben, kannst Du dich damit an einen Profi wenden, der dir auf Basis deines Grundrisses und deiner Messergebnisse die richtigen Module empfehlen kann. In der delamar Redaktion haben wir erfolgreich mit GIK Acoustics zusammengearbeitet, die auch den praktischen Room Acoustics Visualizer anbieten.